Ich habe Angst!

 In Prostituiertenschutzgesetz, Sexarbeiter bloggen

Das neue Gesetz wird kommen, im nächsten Jahr soll es soweit sein.
Es wird mir, sowie vielen anderen Kolleginnen auch, den Boden unter den Füßen wegziehen.
Ich glaube, viele Damen (und auch Herren) wissen gar nicht was das im Endeffekt bedeutet, bzw. was es bezwecken soll und was da auf uns zukommt. Ich gestehe, ich bin nicht über alles im Bilde, was das neue Gesetz bringen wird, aber was ich weiß ist, das ich entmündigt werden soll, sprich, ich habe mich zu outen und zu registrieren, ich soll einen Hurenpass mit mir rumtragen, soweit ich informiert bin gab es das zuletzt 1939 unter den Nazis.
Ich darf nicht mehr in meiner Privatwohnung arbeiten, bzw. ich muss hinnehmen, das ich ohne Vorankündigung kontrolliert werde, das kann übrigens auch jeder privaten Dame passieren, die gern mal einen ons mit nach Hause nimmt.
Ich werde gezwungen Beratungsgespräche wahrzunehmen, sogar eine Art “Idiotentest” wird verlangt, es wird mein Geisteszustand beurteilt, ob ich denn überhaupt weiß, “was ich da tue”

Ich fühle mich in meinem Job als SDL angekommen, es geht mir gut, ich kann mich nicht erinnern je einen Job gehabt zu haben in dem ich so selbstbestimmt arbeiten konnte.
Es geht dabei nichtmal ums Geld, ich war in führenden Positionen tätig, in denen ich deutlich mehr verdient habe, aber dort war ich nach 12 Monaten aufgerieben und total ausgelaugt.
Hier entscheide ich darüber was ich mir “zumute” Ich entscheide, wann ich einen Gast empfange, ich entscheide wieviele Gäste ich empfange und ich entscheide was mir dabei gut tut und was nicht.
Das soll mir genommen werden!
Ich habe 2 Möglichkeiten: entweder ich höre auf, oder ich arbeite illegal, mich diesem System zu unterwerfen kommt nicht in Frage, allerdings wenn ich aufhöre oder illegal arbeite unterwerfe ich mich ja doch…wie man es auch dreht und wendet, das Ergebnis bleibt dasselbe.

Übrigens sollte auch jede “Gelegenheitshure”, die das ja nur 1-2 mal im Monat macht wissen, das es sie ebenso betrifft, diese Schikane betrifft ausnahmslos ALLE!

Dieses Gesetz, das angeblich dem Schutz der Prostituierten dienen soll, hat doch nur den Zweck der Prostitution komplett einen Riegel vorzuschieben, was natürlich nicht gelingen wird und es wird ohne Ende illegal weitergemacht.
Ich habe allerdings Angst davor, das bei mir mal die Polizei vor der Tür steht um eine Razzia durchzuführen, nicht weil ich illegal bin, sondern weil es ein massiver und unzumutbarer Eingriff in meine Privatsphäre wäre und den Eindruck von “Polizeistaat” vermittelt (das ist ohne richterliche Anordnung dann möglich)

Wir ALLE sollten uns zur Wehr setzen, wir haben eine Stimme, verschaffen wir uns Gehör!
Jeder einzelne von uns kann und sollte etwas tun.
Ich bin am Wochenende etwas wach gerüttelt worden und aktiv geworden, das sollte jede von uns tun!

Ich bin mir bewusst das es leider immer noch Frauen gibt, die sich unter brutalem Zwang und aus größter Not heraus prostituieren müssen und hier muss auch gehandelt werden, aber das ist das Bild was die Allgemeinheit immer noch als “Normalzustand” im Kopf hat.
Kaum einer weiß, das es soviele Frauen gibt, die es freiwillig machen, weil sie sich damit wohl fühlen, weil es ihnen Spaß macht, das sie selbständig und vor allem selbstbestimmt arbeiten und genau das muss endlich in die Köpfe der Menschen (allen voran den Politikern).

Kim

Anmerkung: Der Text von Kim wurde auf Ihrem Blog auf der Platform „Kaufmich.com“ abgelehnt mit den Worten:

Wir verstehen natürlich, dass diese Thematik für die Damen aktuell sehr brisant ist. Wir sind aber zu dem Entschluss gekommen, Beiträge wie Deinen abzulehnen, da Diskussionen zu den aktuell sehr kontrovers und oftmals indifferent diskutierten Themen wie die Gesetzesänderungen sehr schnell eskalieren. Bitte habe dafür Verständnis.

Ein Armutszeugnis für Kaufmich!

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Showing 3 comments
  • walter
    Antworten

    Auch ich bin dieser Meinung. Jede Frau sollte selbst bestimmen, ob sie sich z.B. aus der Disco nach ein paar Drinks „abschleppen“ lässt, oder ob sie sich für den Spass am Sex ein „Taschengeld“ geben lässt. Und Frauen, welche die Sexarbeit zu ihrem Hauptberuf machen, haben sich in der Regel freiwillig dafür entschieden. Sicher, es gibt einige, die vor die Wahl gestellt werden, entweder Hartz IV oder sich mit Sex ihren Lebensunterhalt zu verdienen weil sie z.B. keine vernünftige Ausbildung haben, aber ich denke, das ist die Minderheit. Ich habe schon viele Frauen in Clubs kennengelernt, die einfach Spass am Sex haben, so wie andere Spass an ihrem Beruf haben. Ich habe auch vollstes Verständnis für Frauen aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder anderen Ländern, die nach Deutschland kommen, um hier Geld zu verdienen als in ihrem Heimatland möglich ist. Das ist in anderen Berufen ähnlich. Auf jeder Baustelle arbeiten überwiegend Männer aus osteuropäischen Ländern,
    Ich würde es begrüßen, wenn der Gesetzgeber stärker gegen Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgehen würde
    und alle verfügbaren Kräfte für die Behebung dieses Mißstandes aufwenden würde.

  • Matthias
    Antworten

    Ich bin selbst Vermieter von Wohnungen und habe eine Seminar mitgemacht, in dem das neue ProstSchG erläutert wurde. Es ist einfach nur Mist u. voller Ungereimtheiten. Bsp. Ich muss die Daten, Aliasnamen nach 2 Jahren vernichten. Aber, das FA verlangt eine höhere Aufbewahrungspflicht? ! Klar ist, das es auch unter den Betreibern schwarze Schafe gibt und immer geben wird, aber das neue Gesetz ist weder eine Alternative noch eine Abhilfe zur Zwangsprostitution, Menschenhandel etc. Wenn jeder Betreiber ein wenig die Augen aufmacht, erkennt er das auch. In meinen Wohnungen werden z.B keine Frauen mit „Ehemännern“ aufgenommen und es gibt keine Vorschriften über Arbeitszeit,Service o.ä. Der Hinweis auf Safer Sex steht da, aber jeder normal denkender Mensch verzichtet auf entsprechende Fragen. Auch habe ich keinen Hühnerstall, indem die Frauen über einander fallen. Motto: 1 Frau 1 Wohnung mit min. 2 Zimmern. Was soll also der Scheiss? Wir bezahlen Steuern für die Vermietung und die Frauen nach dem Düsseldorfer Verfahren. Aber da es im Koalitionsvertrag gestanden hat, muss es eben durchgepeitscht werden. Egal was am Ende dabei heraus kommt. Es ist eine Diskriminierung der Frauen und erschwert ihnen, ohne jeden Nutzer für sie, nur ihren Job. Leider gibt es auch nach Aussagen der RA keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren. Vieleicht besteht aber die Möglichkeit, dass es von einem kompetenten Politiker entschärft wird. Man darf doch träumen

    • Redaktion
      Antworten

      Hallo Matthias, es gibt eine Initiative die gemeinsam eine Verfassungsbeschwerde einleitet. Siehe hierzu http://www.donacarmen.de/verfassungsbeschwerde-prostschg-auf-dem-weg-in-die-zielgerade/

      Desweiteren versuchen wir auf unsere Plattform https://www.prostituiertenschutzgesetz.info/ möglichst aktuell über alle Fakten und News zum ProstSchg zu informieren.

      Wir bleiben dran und geben nicht auf.

      Weil viele von uns zulange geschlafen haben und sogar Betreiber-Verbände wie der Uegd sich bei Anhörungen zu dem Gesetz PRO Konzessionierung eingesetzt haben. Siehe https://www.bmfsfj.de/blob/83062/fc71831b5cefe03d9589135483036b4d/anhoerung-regulierung-prostitution-stellungnahme-panel-2-data.pdf ab Seite 41.
      Dort forderte der UEGD:

      – Erlaubnispflicht für jedwede Art von Prostitutionsstätten (indoor)
      – Gewerbeanzeigepflicht für Personen die sexuelle Dienstleistungen erbringen
      Erwartete Auswirkungen
      – Reduzierung des Angebots – weniger Bordelle, weniger Prostituierte (Nach EU‐
      Osterweiterung hat sich der Verkäufermarkt in einen Käufermarkt verkehrt, indem der
      Käufer den Preis bestimmt, aufgrund zu vieler Anbieter mit dem Ergebnis sinkender
      Preise)
      – Regulierung seitens Behörden durch klare Ausführungsbestimmungen

      uvm

      Und nun 2 Jahre später geben die gleichen Personen, die das gefordert haben Veranstaltungen und tun so, als sei nur die Regierung schuld. DAS hat schon ein Geschmäckle 😉

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