{"id":839,"date":"2014-09-22T01:13:48","date_gmt":"2014-09-21T23:13:48","guid":{"rendered":"http:\/\/voice4sexworkers.com\/?p=839"},"modified":"2015-11-28T19:34:32","modified_gmt":"2015-11-28T18:34:32","slug":"uberlegungen-eines-freiers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.voice4sexworkers.com\/en\/uberlegungen-eines-freiers\/","title":{"rendered":"\u00dcberlegungen eines Freiers"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>In liebevollem Denken an Christina<\/p>\n<p>Du warst so unbeschreiblich weiblich<br \/>\nAuf jedem Zentimeter deines K\u00f6rpers stand das W\u00f6rtchen Frau<br \/>\nUnd Du warst so bet\u00f6rend leiblich<br \/>\nIch sp\u00fcre Deine s\u00fc\u00dfe Haut noch sehr genau.<br \/>\nSo freundlich zugewandt kamst Du in meine Arme<br \/>\nDu \u00f6ffnetest Dein Handtuch, sch\u00f6ne Dame<br \/>\nUnd warst dann einfach da<br \/>\nUnd ich, der unbekannte Freier,<br \/>\nich war tats\u00e4chlich gl\u00fccklich<br \/>\nUnd f\u00fchlte Dich ganz nah<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcberlegungen eines Freiers<\/p>\n<p>Das Thema Prostitution schl\u00e4gt in den Medien z. Zt. (2013\/14) Wellen. Die rot-gr\u00fcne Gesetzesnovellierung hat den Huren (indogermanische Herkunft = begehrlich, lieb\/ Wikipedia) keine Vorteile gebracht. Eine Reform ist n\u00f6tig. Fr. Schwarzer und das EU-Parlament bef\u00fcrworten das schwedische Modell: Verbot der Prostitution, Strafverfolgung der Freier.<br \/>\nEiner davon bin ich.<br \/>\nWie wurde &#8211;und was denke ich dazu?<br \/>\nFrei nach Aristoteles:<br \/>\nIch mag Frauen [nicht alle]\nHuren sind Frauen [nicht alle]\nAlso mag ich Huren [nicht alle]\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In jungen Jahren chauffierte ich einen Bekannten in die Landclubs der Umgebung. Ich hatte Zeit, aber kein Geld \u2013 er Angst um seinen F\u00fchrerschein.<br \/>\nAls Nicht-am-Sexgesch\u00e4ft-Beteiligter, f\u00fchrte ich ungezwungen Gespr\u00e4che mit den Bardamen, wenn sie sich langweilten.<br \/>\nEin pl\u00f6tzliches Zerfallen des professionell aufmerksamen L\u00e4chelns in ange\u00f6deten Widerwillen, als eine Frau den Kopf von einem Kunden abwandte, habe ich nie vergessen.<br \/>\nGenauso wenig den z\u00e4rtlichen Kuss, den ich mal mit ihr tauschte. Geld war da nicht im Spiel.<br \/>\nSelber Geld f\u00fcr Sex zu zahlen, kam mir damals nicht in den Sinn. In meinem Kopf war das an romantische Liebe gekoppelt.<br \/>\nAu\u00dferdem waren Freier verklemmte alte M\u00e4nner, die es anders nicht schafften, an eine Frau zu kommen.<br \/>\n(Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Sexuell bin ich nicht verklemmt, aber sch\u00fcchtern. Tats\u00e4chlich hatte ich au\u00dferhalb der Prostitution lange keinen Sex mehr. \u2013Meine Versuche, \u00fcber Balzb\u00f6rsen Frauen kennenzulernen, waren \u00fcberwiegend erfolglos geblieben.<br \/>\nG\u00e4be es nicht die Huren, w\u00fcrde mein Leben vermutlich ohne weitere erotische Frauenkontakte zu Ende gehen, -ein Verlauf, der wahrscheinlich keineswegs selten ist.<br \/>\nDas w\u00e4re schade gewesen. Sexualit\u00e4t ist mir wertvoll, ist im besten Falle eine intime Kommunikation \u2013wenn auch h\u00e4ufig in Fremdsprachen.<br \/>\nIm \u00f6ffentlichen Diskurs der vergangenen Jahrzehnte \u00fcber Liebe und Sexualit\u00e4t tauchte mal der Slogan vom \u00b4Recht auf Liebe\u00b4 auf.<br \/>\nNett, -und wo kann man wem gegen\u00fcber dieses Recht einklagen?)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meinen ersten bezahlten Sex kaufte ich mir einige Jahre sp\u00e4ter als Mittzwanziger in Barcelona. Ich war in der Altstadt herumgestromert \u2013die Huren an den Stra\u00dfenr\u00e4ndern, die Einsamkeit im Nacken. Die ganze Nacht lief ich unentschlossen durch die Gassen. Im Morgengrauen ging ich mit einer h\u00e4sslichen Frau davon. Ich wollte es nur noch hinter mich bringen. Die Stundenhotels waren belegt. Sie blies mir einen auf einer Hintertreppe und ich kam gegen Aufpreis in ihrem Mund. \u2013Ihr Ekel vor mir war logischerweise noch wesentlich gr\u00f6\u00dfer als umgekehrt:<br \/>\nDas Ger\u00e4usch, mit dem sie das Sperma hochzog und ausspuckte, bleibt mir auch unvergesslich.<br \/>\nProstitution spielte in den folgenden Jahren keine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr mich. Sporadische neue Versuche, h\u00e4ufiger aus einem \u00dcberma\u00df an Sehnsucht \u2013denn an Geilheit heraus unternommen, f\u00fchrten durch die k\u00fchl distanzierte Art der Frauen zu unbefriedigender Ern\u00fcchterung.<br \/>\nDen Kontrast, Sex, der beide an \u2013 und miteinander begeisterte, hatte ich in Beziehungen kennengelernt.<br \/>\nNach dem Ende einer langj\u00e4hrigen solchen, w\u00e4hrend der ich wenige Male mit wenig Enthusiasmus das \u201cFremdgehen\u201c im Bordell unternommen hatte, blieb ich allein \u2013 lang und immer l\u00e4nger.<br \/>\nIrgendwann besuchte ich, von der schon erw\u00e4hnten Mischung aus Geilheit und Sehnsucht angetrieben eine \u00b4Erotikmesse\u00b4 (Reisegewerbe mit Sexartikelverkauf, Softsexdarbietungen und angrenzenden Waren- und Unterhaltungsangeboten)<br \/>\nDort buchte ich eine \u201c\u00dcberraschungsmassage\u201c:<br \/>\nEine gelangweilte Barbusige rubbelte mir lustlos einen \u00b4runter. Ich guckte befremdet ihrer wichsenden Hand zu und spritzte schlie\u00dflich m\u00fchsam ab. Schlie\u00dflich hatte ich ja gezahlt. Wir wechselten noch ein paar desinteressierte Worte, bevor das Schicksal Romeo und Julia wieder auseinanderriss.<br \/>\nEs gibt jedoch in meinem baden-w\u00fcrttembergischen Wohnort eine erstaunliche Anzahl von Bordellen, was mir auf Dauer auch nicht verborgen blieb.<br \/>\nDort machte ich einige interessante Bekanntschaften:<br \/>\nDie Bayerin zum Beispiel, die unter mir mit der Regelm\u00e4\u00dfigkeit eines Metronoms st\u00f6hnte und zun\u00e4chst nicht wusste, wovon die Rede war, als ich sagte, das sei sicher nett gemeint, aber unn\u00f6tig. Schlie\u00dflich meinte sie: \u201eAch das. Das merk\u00b4 ich schon gar nicht mehr.\u201c<br \/>\nDenkw\u00fcrdig auch das Zusammensein mit den beiden Frauen, die die Erf\u00fcllung des alten M\u00e4nnertraumes, des flotten Dreiers, versprachen. W\u00e4hrend ich mit der einen das Pflichtprogramm durchturnte, lag die andere einen Meter entfernt und seufzte Gotts erb\u00e4rmlich. \u2013 Ich hatte ihr doch gar nichts getan\u2026<br \/>\nDa war andererseits die wundersch\u00f6ne und mit ihrem ganzen K\u00f6rper zuvorkommende Koreanerin, bei der ich mich f\u00fcr meine rauen Arbeiterh\u00e4nde entschuldigte und die kundenfreundlicherweise meinte, die Deutschen arbeiteten ja auch so viel. Auf meinen Kommentar, das sei in Korea sicher nicht anders, entgegnete sie, die staatlichen Fabriken g\u00e4ben sonntags frei; die privaten w\u00fcrden durcharbeiten.<br \/>\nDie Polin, deren vertr\u00e4umtes L\u00e4cheln mich verzaubert hatte und die beim V\u00f6geln meinen Namen fl\u00fcsterte, als ob sie mich meinte.<br \/>\nSie brauche den Alkohol zum Entspannen, sagte sie. \u2013 Beim n\u00e4chsten Mal predigte ich \u00fcber die Gefahren des Alkohols. Ich wusste, wovon ich redete.<br \/>\nBeim Sex war diesmal ich es, von dem eine Frau krampfhaft den Kopf abwandte. F\u00fcr einen Moment dachte ich, dass da gerade ein alter Missbrauch erneut inszeniert wurde. Sie hatte es dann eilig, mich loszuwerden.<br \/>\nDie chinesisch \u2013indische Frau, die stolz ihren wahren Namen nannte. Sie habe kein Pseudonym n\u00f6tig. Eine Globalisierungsgewinnerin, arbeitetet sie halbj\u00e4hrlich als Restaurantangestellte in Indien und die andere H\u00e4lfte als Prostituierte in Europa, weil sie die Abwechslung liebt.- Sie bilanzierte zum Schluss die jeweiligen Orgasmen- vielleicht eine Auswirkung ihres anderen Jobs.<br \/>\nDie junge T\u00fcrkin, die ich in ihrem Bordellzimmer als fleischgewordene Verk\u00f6rperung all meiner sehns\u00fcchtig- romantischen Jugendtr\u00e4ume antraf. Sie sprach ausschlie\u00dflich t\u00fcrkisch und lag auf dem Bett, wie ein Opferlamm. Ich war v\u00f6llig impotent und erfreute sie stattdessen mit meinen wenigen t\u00fcrkischen Phrasen. Als ich ging, blickte sie &#8211; wie um sich zu versichern &#8211; auf das Foto (ihr Foto?) einer jungen Frau mit Kleinkind. Ich war so vom Donner ger\u00fchrt, das ich erst viel sp\u00e4ter auf den Gedanken kam, es in diesem Fall vielleicht mit Zwangsprostitution zu tun gehabt zu haben. Ich habe sie nicht wiedergesehen.<br \/>\nDie Rum\u00e4nin, die auf den ersten Blick wie eine einsch\u00fcchternde Sexbombe gewirkt hatte und in Wahrheit fr\u00f6hlich, lebensklug und v\u00f6llig unpr\u00e4tenti\u00f6s war \u2013und sehr nahbar. Sie habe ich oft besucht. Unsere K\u00f6rper schienen sich wirklich aufeinander zu freuen. Sie wollte sich hier eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen. Ich hoffe, sie hat es geschafft.<br \/>\nAnd last not least (in contrary!) die Pf\u00e4lzerin, nicht gar so schrecklich viel j\u00fcnger als ich, deren schlanken K\u00f6rper zu umarmen mir stets aufs Neue ein Vergn\u00fcgen ist. Sie kenne ich nun schon \u00fcber Jahre. Ihre charmante, selbst denkende -und selbstbewusste, humorvolle Art macht einen gro\u00dfen Teil ihres Reizes aus und beim Sex ist sie im besten Sinne eine Professionelle. Als ich ihr einst wortkarg von einer ergebnislosen Verliebtheit in eine ihr unbekannte Kollegin berichtete, meinte sie nur ,ohne nach Einzelheiten zu fragen, so etwas bedeute Ausnehmen.<br \/>\nDie ihr geltenden Verliebtheits\u00e4u\u00dferungen hatte sie Lady like abtropfen lassen. Sie ist halt- ohne sich im Geringsten so zu benehmen- eine Dame.<br \/>\n(Diesen Text habe ich ihr vorgelegt. Fachlich-logisch hatte sie keine Einw\u00e4nde)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nennung der vielen unterschiedlichen Nationalit\u00e4ten l\u00e4sst \u00fcbrigens erahnen, welch sprachliches und kulturelles Wissen sich die weltreisenden Huren neben der eigentlichen Arbeit aneignen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine neue Phase begann, als ich die FKK\u00b4s kennenlernte, H\u00e4user, in denen sich Huren und Freier in gemeinsamen Aufenthaltsr\u00e4umen gespr\u00e4chsweise und hautnah kennenlernen k\u00f6nnen, bevor sie sich zum V\u00f6geln in Zimmer zur\u00fcckziehen. Der Name r\u00fchrt daher, dass die Frauen nackt sind, die M\u00e4nner ein Handtuch umgeschlungen haben. Diese Kennenlernpraxis brachte f\u00fcr mich viel st\u00e4rker den menschlichen und z\u00e4rtlichen Aspekt ins Spiel, der mir bis dahin so h\u00e4ufig gefehlt hatte.<br \/>\nDazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch vor allem das K\u00fcssen, was die Frauen zuweilen von sich aus tun, was aber mitunter auch Teil der Bordellordnung zu sein scheint.<br \/>\nEine nette Bulgarin, die ich so kennenlernte und die schon vor ihrer Prostitutionsphase die Eigenst\u00e4ndigkeit gesch\u00e4tzt hatte, meinte sp\u00e4ter, als ich sie in einem normalen Bordell wiedertraf, dass diese Vorteile der M\u00e4nner ihre Nachteile waren und ihr die Arbeit in einem \u00fcblichen Puff mehr Freiheit und Kontrolle erlaube.<br \/>\nF\u00fcr mich begann damals eine Zeit der sexuellen Freuden. Gerne begegnete ich den Frauen respektvoll und z\u00e4rtlich und gab mir M\u00fche, ihnen Gutes zu tun. Das f\u00fchrte in einigen F\u00e4llen sehr wahrscheinlich zu echter gemeinsamer Lust. (Zwei Frauen wollten ohne Aufpreis ohne Kondom v\u00f6geln \/ das habe ich von mir aus niemals verlangt) \u2013Und einige von ihnen besorgten sich mit meiner Hilfe ihre Orgasmen, nicht theatralisch st\u00f6hnend, sondern ruhig und konzentriert.<br \/>\nEinschub: Ich hatte das Internet zum Thema bisher beiseite gelassen, weil ich bef\u00fcrchtet hatte, meine eigenen m\u00fchsam rausgew\u00fcrgten Gedanken w\u00fcrden unter der \u00dcberf\u00fclle anderen Materials ersticken.<br \/>\nNach dem vorl\u00e4ufigen Abschluss habe ich das nun nachgeholt.<br \/>\n[bisher Googlesuche\/Soziologie+Prostitution sowie ZEIT-ONLINE] und bin auf interessante weitere Punkte gesto\u00dfen. (Diese erscheinen weiterhin kursiv)<br \/>\nEs herrscht ja Kreuzzugsstimmung zwischen den Diskussionsteilnehmern zum Thema Prostitution, wobei der Frontenverlauf \u00e4hnlich kompliziert ist, wie beim historischen Vorbild.<br \/>\nZum Beispiel stimmen religi\u00f6s-humanistische und einige feministische Betrachtungsweisen darin \u00fcberein, dass die Sexarbeit bei den Frauen sexuelle Lust unm\u00f6glich macht (wegen lieblos-gesch\u00e4ftlicher Inszenierung einerseits, bzw. wegen der Unterdr\u00fcckungssituation und aufgrund der genauen Kenntnis jedweder weiblichen Sexualit\u00e4t seitens der Autorinnen andererseits)<br \/>\nWie beschrieben, glaube ich das nicht, &#8211; (und wei\u00df, dass die Darstellung zur Dienstleistung geh\u00f6rt)<br \/>\nInszenierte Gef\u00fchle, (das bewusste L\u00e4cheln zur Stimmungsaufhellung, das angeordnete L\u00e4cheln und die freundlichen Floskeln der Verk\u00e4uferinnen) haben R\u00fcckwirkungen auf das jeweils eigene Empfinden und den zwischenmenschlichen Kontakt.<br \/>\nEs gibt gegenw\u00e4rtig einen gesamtgesellschaftlichen, wirtschaftlichen Druck, sich so zu verhalten.<br \/>\nDer Effekt ist sehr zwiesp\u00e4ltig. Die vor der turbokapitalistischen Gegenwart \u00fcbliche Trennung zwischen k\u00fchl-gesch\u00e4ftlich (und entsprechend freudlos) drau\u00dfen und liebevoll-freundlich (mit Echtheitssiegel gewisserma\u00dfen) daheim, schwindet:<br \/>\nBei den LKW-Fahrern mit Kundenkontakt, den Aldi-Verk\u00e4uferinnen, den Huren und ihren Kunden.<br \/>\nVielleicht hilft uns Folgendes im Umgang mit den Auswirkungen weiter:<br \/>\nDie Wahrheit ist in der L\u00fcge mitenthalten, -so wie die L\u00fcge in der Wahrheit.<br \/>\nIch hatte- auch nicht allzu oft, aber dennoch- schon Spa\u00df auf der Arbeit \u2013-und bei Freundinnen Orgasmen gefaked.<br \/>\nEin unter den gegebenen Umst\u00e4nden skurriler Nebeneffekt des erw\u00e4hnten menschlichen Aspektes waren meine Schuldgef\u00fchle gegen\u00fcber der jeweils ersten Frau, wenn ich mit einer anderen Frau zusammen war. Auch jene unterdr\u00fcckten mitunter eine Verstimmung, die manchmal vielleicht nicht nur dem Einnahmeverlust geschuldet war.<br \/>\nUnsere hergebrachten Konzepte wirken halt noch weiter, auch wenn die Situation dazu nicht mehr passt. (Dazu sp\u00e4ter mehr)<br \/>\nGerne erinnere ich mich an ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den hundertj\u00e4hrigen Krieg zwischen England und Frankreich im 14.-15. Jhdt.<br \/>\nWor\u00fcber man halt so redet im Puff.<br \/>\n(Die Gespr\u00e4chspartnerin war Diplompolitologin. Ihre Bildung, sowie ihr akademisch korrekt klingendes Englisch und Spanisch lie\u00dfen mich daran nicht zweifeln)<br \/>\nGespr\u00e4che spielen in Bordellen im \u00dcbrigen sicher eine Sonderrolle: Angeblich kehren viele Freier ja den Huren gegen\u00fcber ihr Innerstes nach au\u00dfen, so das die Frauen dann noch eine zus\u00e4tzliche Rolle als Beichtvater mit Busen h\u00e4tten.<br \/>\nSex kann so gut Vertrauen schaffen, wie verhindern. Das h\u00e4ngt auch davon ab, ob man im nackten Gegen\u00fcber einen Menschen oder ein St\u00fcck Fleisch sieht. \u2013Wer spricht schon mit einem Schnitzel?<br \/>\nDie Abspaltung des \u201cMilieus\u201c von der Alltagswelt bewirkt wohl auch den Effekt der \u00b4Reisenden im Zug`, die sich einander \u00f6ffnen, weil sie darauf vertrauen, sich nicht in ihren sozialen Zusammenh\u00e4ngen wieder sehen zu m\u00fcssen.<br \/>\nF\u00fcr mich kommt noch hinzu: Das bezahlte Bumsen als eigentlicher Grund des Zusammenseins ist doch schon gekl\u00e4rt. Also kann der Mann im Gespr\u00e4ch anstatt sich zu spreizen, zu balzen und zu schleimen gleich zur Sache kommen \u2013 zum Inhalt n\u00e4mlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abgesehen von den schon geschilderten befremdlichen Szenen, will ich den Sex nicht detailliert darstellen. Die Frauen und ich tuen das, (wenn auch nicht so virtuos) was man in jedem Standardporno sehen kann. \u2013Da brauch\u00b4 ich keinen mehr schreiben.<br \/>\nKundenbewertungen der Huren, wie im sonstigen Gesch\u00e4ftsverkehr, mit zackigen technischen K\u00fcrzeln f\u00fcr die jeweilige sexuelle Praktik finde ich pers\u00f6nlich absto\u00dfend, auch wenn sie Werbung f\u00fcr die Frauen sein k\u00f6nnen. (In einem entsprechenden Freierforum stie\u00df ich mal auf das Kollegenpseudonym `Zertifizierer\u00b4[Der Schwanz soll ihm abfallen!]\u2014Aber dort gab es auch erfreulich respektvolle Kommentare)<br \/>\nDas Feilschen um Aufpreise f\u00fcr vom Standard abweichende Dienstleistungen t\u00f6rnt mich ab. Was beim gekauften Sex vor sich geht, muss gar nicht so unendlich unterschiedlich vom \u201cprivaten\u201c sein: Besondere Praktiken k\u00f6nnen ein Zeichen daf\u00fcr sein, das mann&amp;frau sich m\u00f6gen, sich vertrauen, sehr geil aufeinander sind.<br \/>\nWenn dar\u00fcber verhandelt wird, kann der Wert umgekehrt zum getriebenen Aufwand sinken.<br \/>\n(Was auf keinen Fall hei\u00dfen soll, die Frauen wortlos zu bedr\u00e4ngen. Gerade wenn man\/frau sich kaum kennt, sind Vorsicht und Respekt die wichtigsten Tugenden)<br \/>\nAndere Freier hatten in Interviews davon gesprochen, dass Schilderungen von Handlungen, die dem\u00fctigen, wenn sie nicht beiden gefallen (Analverkehr, Spermaverteilung, Ficken ohne Gummi) durch wieder andere in diesen Bewertungsforen sie angefixt h\u00e4tten, auch danach zu suchen und sie selbst das als s\u00fcchtige Dosissteigerung in Richtung \u00b4immer h\u00e4rter, immer schmutziger\u00b4 erlebt h\u00e4tten.<br \/>\nS\u00fcchtige Entwicklungen (Noch mal Sex, noch eine andere Frau, auch wenn eigentlich weder Schwanz noch Hirn [geschweige denn der Geldbeutel] weiterhin dazu f\u00e4hig waren), habe ich auch erlebt .Das St\u00f6bern in den Bewertungsforen habe ich gestoppt, als es mir wie eine schmierig-verlockende Schl\u00fcssellochperspektive erschien.<br \/>\nDas Angebot einiger solcher Praktiken in der sp\u00e4ter erschienenen \u00b4Servicebeschreibung\u00b4 der Frau, in die ich mich recht ernsthaft verliebt hatte, hatte eine \u00e4hnlich fasziniert-abgesto\u00dfene Wirkung auf mich, wie es die Kollegen in den Interviews geschildert hatten<br \/>\n[Sie hatte mal \u00fcber ihre Sorge gesprochen, fiese Erlebnisse mit fiesen Freiern sp\u00e4ter nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen]\nIch habe vielf\u00e4ltige Suchterfahrungen. Da ich wei\u00df, welche Schuldgef\u00fchle und welch extrem ambivalente Gef\u00fchle gegen\u00fcber dem Suchtmittel schon der Konsum simpler Chemikalien ausl\u00f6sen kann, m\u00f6chte ich nicht mehr erleben, was die pervertierte Beziehung zu Menschen als Suchtmittel bewirkt.<br \/>\nDie Kollegen, die sich darein begeben, sollten wissen, dass sie nicht nur die Frauen zur Sau machen, sondern das sie den Schweinekopf, der ihnen im Spiegel entgegen starrt aus dem Puff mit nach Hause tragen werden \u2013und er wird ihnen Angst machen!<br \/>\nPers\u00f6nlich glaube ich \u00fcbrigens, dass Sex, bzw. die sexuelle Liebe die Urmutter aller S\u00fcchte ist.<br \/>\nUm die Individuen zu solch einem, die Selbsterhaltung gef\u00e4hrdenden Verhalten zu veranlassen, hat \u201cMutter Natur\u201c einen tiefen Griff in den jeweiligen k\u00f6rpereigenen Giftschrank getan,<br \/>\nUnd wie jedem Dealer ist ihr das Wohlergehen der Konsumenten egal.<br \/>\nDer Umsatz stimmt schlie\u00dflich seit Jahrmilliarden.<br \/>\n(Auch dazu sp\u00e4ter mehr)<br \/>\nAn das Vorhergehende ankn\u00fcpfend: Ich wurde gefragt, worin \u00fcberhaupt f\u00fcr mich die Unterschiede zwischen Sex in der Prostitution und im Privatleben l\u00e4gen.<br \/>\nIn wenigem, denke ich (nicht zuletzt nat\u00fcrlich, weil ich einiges so gar nicht gerne sehen m\u00f6chte). Auch im \u201cnormalen\u201c Leben wird die Sexualit\u00e4t oft unterschwellig ge- und verhandelt &#8212;<br \/>\n&#8212;und kann den Handelspartnern Freude bereiten.<br \/>\nGenau wie in der Prostitution \u2013nur, das das, was jeweils im einen Bereich als bedenkliche Verfehlung gilt, im anderen als einzig akzeptables Motiv dasteht.<br \/>\nAuch k\u00f6nnen in beiden Lebensbereichen neben der Triebabfuhr liebevoll-z\u00e4rtliche Aspekte eine Rolle spielen.<br \/>\nDa die Frauen in der Prostitution mit den sexuellen Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt bestreiten, m\u00fcssen sie sich nat\u00fcrlich vor emotionalen Verwicklungen h\u00fcten.<br \/>\nF\u00fcr die Freier gibt es mehr Wahlm\u00f6glichkeiten:<br \/>\nEinmal strikte Abspaltung. (Ich kauf \u2018mir f\u00fcr \u00b4ne halbe Stunde \u00b4ne Votze). Eine risikoarme Wahl und klare Gesch\u00e4ftsbasis, die die Frau auf ein St\u00fcck Fleisch reduziert, von dem man nicht mehr erwartet und bekommt, als vom schon erw\u00e4hnten Schnitzel.<br \/>\nDas erleichtert sicher auch vielen Frauen die Gesch\u00e4ftsabwicklung, ist aber erheblich teurer als der Kauf einer \u00b4Travelpussy\u00b4 (Vinyl, erh\u00e4ltlich an jeder guten Autobahnrastst\u00e4tte)<br \/>\nZweitens, die Huren als nackte Menschen mit all ihrer nervigen menschlichen Kompliziertheit wahrnehmen. Das kann die Geilheit beeintr\u00e4chtigen und Verliebtheit erzeugen, wobei dann schon das Eigeninteresse der Frauen fast sicher dazu f\u00fchrt, entweder einen Korb zu bekommen, oder als abbauw\u00fcrdiges Rohstoffvorkommen dazustehen.<br \/>\nKeine Rose ohne Dornen<br \/>\nDie besonderen \u00b4Liebesk\u00fcnste\u00b4 der Huren halte ich f\u00fcr Fiktion. Es ist ja kein Lehrberuf. Infos \u00fcber Sextechniken und Pornos werden fl\u00e4chendeckend genutzt. Wenn eine Frau eine \u00b4Liebesk\u00fcnstlerin\u00b4 ist, dann aufgrund ihrer Pers\u00f6nlichkeit und recht unabh\u00e4ngig vom Beruf. (Wenn sie allerdings einen Beruf daraus macht, bereitet sie vielen Freude \u2013und lebt riskant, glaube ich.)<br \/>\nAu\u00dferdem: Sex ist eine, durch keinen vorgegebenen Rahmen vereinfachte Interaktion zwischen sich zun\u00e4chst fremden Menschen mit unterschiedlichem Gef\u00fchlsleben, verschiedenartigen Denkweisen und Verhaltensmustern und sehr verschiedenen K\u00f6rpern\u2026<br \/>\n&#8212; Wenn das dann so wird, wie in den Klischeevorstellungen, die unsere Hirne verkleistern, dann war es der M\u00fcnzwurf, der auf der Kante gelandet ist und beide sollten dem Herrn (oder der M\u00fcnze) auf Knien danken.<br \/>\nIm Vergleich dazu ist die Frage, ob Geld im Spiel war sekund\u00e4r.<br \/>\n(Das Zusammenst\u00f6pseln klappt nat\u00fcrlich irgendwie fast immer. Sonst w\u00e4ren wir l\u00e4ngst ausgestorben. Aber zwischen hilflosem Gehampel und sch\u00f6ner Sexualit\u00e4t liegt ein weites Feld)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da meine Begeisterung aus Geldmangel und nach der allen Erwartungen entsprechend entt\u00e4uschten Verliebtheit auf Normalma\u00df geschrumpft ist, bleibt nun Mu\u00dfe f\u00fcr allgemeinere Gedanken zum Thema Prostitution, bzw. zu den Rollen der beteiligten Handelspartner und zum Gesch\u00e4ftsgegenstand.<br \/>\nUm lange vor Adam und Eva zu beginnen: Sex ist gef\u00e4hrlich!<br \/>\nBr\u00fcnstige und v\u00f6gelnde Individuen jedweder Spezies sind den Umweltgefahren gegen\u00fcber unaufmerksam. Bei in Gruppen koexistierenden Arten f\u00fchrt sexuelle Rivalit\u00e4t zu innerartlichen Konflikten. Bei uns kulturell geformt hochkompliziert zusammenlebenden Menschen sind sexuelle \u201cLiebe\u201c und ihre urspr\u00fcngliche Funktion und Folge, die selektierte Fortpflanzung von f\u00fcrsorglicher und romantischer Liebe eingehegt worden (die aber ihrerseits wieder Quelle neuer Gefahren sind: Tragische Liebesmythen und Opfertodgeschichten vieler V\u00f6lker zeugen davon)<br \/>\nAus dem Blickwinkel unserer gegenw\u00e4rtigen kapitalistischen Weltsicht betrachtet, k\u00f6nnte man sagen, dass das begehrte und risikoreiche immaterielle Gut Sex fr\u00fchzeitig bewirtschaftet wurde.<br \/>\nIn den patriarchalen Gesellschaften wurden die Frauen als \u201cBesitzerinnen\u201c der sexuellen Lust (M\u00e4nner bewerben sich-Frauen w\u00e4hlen aus) enteignet und konnten im besten Falle die Rolle der rechenschaftspflichtigen -aber auch noch m\u00e4chtigen- Prokuristin behalten. (Diese Macht aus zweiter Hand erkl\u00e4rt m.E. einen Teil der Gegnerschaft von sozial integrierten Frauen zur Prostitution, die quasi als Gesch\u00e4ftsaus\u00fcbung unter Umgehung des Zunftzwanges erscheint.)<br \/>\nDas \u201cGesch\u00e4ftsmodell\u201c f\u00fcr sexuelle Beziehungen lautete dabei: Der m\u00e4chtige, mit hohem Sozialstatus versehene Mann, verschafft sich die anziehende Frau. Da dieser Vorgang unter dem Diktat von Macht und Ohnmacht stand, wurde er sp\u00e4ter durch Romantisierung ummantelt, um ihn f\u00fcr beide Seiten ertr\u00e4glicher zu machen. Dabei wirkten m\u00f6glicherweise \u00e4hnliche psycho-soziale Mechanismen wie beim Stockholm-Syndrom, der unter steter Bedrohung zustande gekommenen Verbr\u00fcderung von Geiseln und Geiselnehmern bei der Besetzung der deutschen Botschaft in den 70 er Jahren. Die Befreundung rettete das Selbstbild der Opfer als handlungsf\u00e4hige Personen.<br \/>\nDer fr\u00fcher zweckgebundene Akt der Romantisierung hat sich mittlerweile zur romantischen Liebe emanzipiert und zu einer Vielzahl von Ausdrucksformen ausdifferenziert. Diese Romantik hat in den westlichen Gesellschaften heutzutage wahrscheinlich mehr Einfluss auf menschliches Verhalten als die urspr\u00fcngliche Geilheit und Vorteilsnahme.-<br \/>\n(Liest man sich aber Verbrauchsliteratur vom Typ \u00b4Frauenroman\u00b4 durch, sieht man in den Beschreibungen der Protagonisten sehr sch\u00f6n die Archetypen durchschimmern)<br \/>\nEin weiterer Paradiesgarten romantischer Ausdrucksformen sind interessanterweise die B\u00f6rsenberichte. Verglichen mit dem sensiblen Ges\u00e4usel rund um scheues Kapital und nerv\u00f6se Finanzm\u00e4rkte waren die \u00b4Leiden des jungen Werther\u00b4 eine reine Fickgeschichte und man stellt erleichtert fest, das tiefe menschliche Empfindungen einen sicheren Hafen in der kapitalistischen Welt haben.<br \/>\nWas aber hat der theoretische Ausflug mit der Prostitution zu tun?<br \/>\nNun, der urspr\u00fcngliche Handel hat hier unverschleiert \u00fcberlebt (wenn auch die \u201cMacht\u201c auf die verf\u00fcgbaren Finanzen geschrumpft ist) und wird vollzogen von Menschen, die entweder sozial desintegriert sind oder sich eine Auszeit von den Zw\u00e4ngen der Integration nehmen.<br \/>\nSie alle, die Verk\u00e4uferinnen und die K\u00e4ufer bringen aber die gesellschaftlichen Konzepte, die Romantik, die jeweils herrschende Sexualmoral dorthin in ihren K\u00f6pfens mit \u2013 und m\u00fcssen sich davon genauso strikt abgrenzen, wie integrierte Menschen von unverbl\u00fcmtem Tauschhandelsex.<br \/>\nF\u00fcr eine Prostituierte ist eine romantische Verliebtheit schlie\u00dflich ein schwerer Verkehrsunfall und so existenzgef\u00e4hrdend, wie f\u00fcr den verliebten Autoschlosser, den Wagen der netten Kundin stets umsonst zu reparieren und die sonstige Arbeit links liegen zu lassen.<br \/>\nDer Freier wiederrum verschleudert durch Anf\u00e4lle romantischer, bzw. f\u00fcrsorglich- besitzergreifender Liebe seine teuer erkaufte Freiheit von eben jenen \u2013und ihren Gefahren.<br \/>\nDie K\u00e4lte und gegenseitige Verachtung, die den Umgang miteinander und das Reden \u00fcbereinander h\u00e4ufig \u2013keineswegs immer \u2013 bestimmen, d\u00fcrften, au\u00dfer Ausdruck des schwelenden Machtkampfes zu sein, auch eine Schutzfunktion f\u00fcr die jeweilige Psyche haben.<br \/>\nDer Zwiespalt zwischen mitgebrachten inneren Konzepten und der \u00e4u\u00dferen \u00f6konomischen Realit\u00e4t, der \u2013aber nur scheinbar \u2013 ein spiegelverkehrtes kleineres Abbild der das Rotlichtmilieu umgebenden gesamtgesellschaftlichen Realit\u00e4t und ihrer inneren Gegenbilder ist, bringt dieses zum Schillern.<br \/>\nEin Ende dieses Schillerns, eine Eindeutigmachung der Sexarbeit als \u201cnormale\u201c Arbeit scheint mir deshalb fraglich, weil Sex und die davon nicht sauber und r\u00fcckstandsfrei zu trennende Liebe per se und nirgendwo normal, sondern eben riskant sind und aus sich heraus gef\u00e4hrlich schillern.<br \/>\nNebenbei bemerkt ist auch die \u201cNormalit\u00e4t\u201c so mancher Arbeit gerade im sozialen Bereich fragw\u00fcrdig. Wenn die Hure die bezahlte Geliebte ist, ist dann nicht auch der Sozialarbeiter der bezahlte gro\u00dfe Bruder, der die Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umt und der Psychotherapeut der bezahlte Freund, der mit einem offenen Ohr und guten Ratschl\u00e4gen bereitsteht?<br \/>\nLetzteren Beruf zeichnen \u00fcbrigens \u00e4hnlich hohe Anforderungen an die Empathie und das Einbringen der eigenen Person mit entsprechender Bedrohungslage f\u00fcr die eigene Pers\u00f6nlichkeit und \u00e4hnlich hohe Stundens\u00e4tze aus, wie die Prostitution.<br \/>\n(Die Sexarbeitsorganisation \u00b4Dona Carmen\u00b4 fordert eine Anerkennung der Prostitution als freier Beruf. Eine weitere, einleuchtende Parallele)<br \/>\nDie Rahmenbedingungen der Sexarbeit sind aber sicher weiter in Richtung Fairness und gesellschaftlicher Anerkennung ver\u00e4nderbar:<br \/>\nZum Beispiel einklagbarer Schutz vor unerw\u00fcnschter sexueller Bel\u00e4stigung, wie f\u00fcr jede andere Frau auch.<br \/>\nHerausdr\u00e4ngen der parasit\u00e4ren Luden aus dem Arbeitsumfeld und \u00dcbernahme der Schutzfunktion durch genossenschaftlich organisierte security und, wie \u00fcberall sonst, gegebenenfalls die Polizei.<br \/>\n\u00d6ffentlich gef\u00f6rderte Imagekampagnen. (Nicht nur die Krankenschwester ist wichtig)<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;-Wie steht es denn mit der gesamtgesellschaftlichen Funktion der Huren? &#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nEventuell eine erweiterte F\u00fcrsorgepflicht des Staates, wie sie auch gegen\u00fcber Berufssoldaten besteht, &#8212;&#8211;Auch die gehen ja&#8211; mit dem gewaltsamen Tod als Teil des Berufsbildes- keiner normalen T\u00e4tigkeit nach, dienen aber \u2013als Schutz nach au\u00dfen &#8211; der Gesamtgesellschaft.<br \/>\n(Eine sch\u00f6ne Ungarin meinte, mit ihrer Teilzeitt\u00e4tigkeit Seitenspr\u00fcnge zu kanalisieren und somit Beziehungen zu sch\u00fctzen)<br \/>\nGibt es Forschung dazu?<br \/>\nGibt es prostitutionsfreie Gesellschaften als Vergleich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht ist es aber doch m\u00f6glich, die Sexarbeit komplett zu normalisieren.<br \/>\nSchlie\u00dflich haben es die Fastfoodketten auch geschafft, die durchaus schillernde Sinnlichkeit traditioneller Nahrungsaufnahme ( man wusste ganz fr\u00fcher auch nicht sicher, ob das wohl gut gehen w\u00fcrde) durch reiz- und gefahrlose Normprodukte zu ersetzen, deren Konsum in den kunststoffbeschichteten Abf\u00fctterungsstationen eine mobile Alternative zur Magensonde bietet.<br \/>\nDer vollwaschbare Sex Android ist bestimmt bereits in der Entwicklung und wird die Frage, ob es ihm selber auch Spa\u00df gemacht habe, bereitwillig bejahen.<br \/>\nEin Wort noch zum spiegelverkehrten Abbild der Mehrheitsgesellschaft im \u201cMilieu\u201c:<br \/>\nDas scheint keine Einbahnstra\u00dfe zu sein:<br \/>\nDer Selbstdarstellung zur Kundenaquise als stets geile und willige Hure entspricht l\u00e4ngst die geforderte Pr\u00e4sentation bei der Stellensuche: Naturflei\u00dfig und ohne Zeitdruck bei den \u00dcberstunden.<br \/>\nOder anders ausgedr\u00fcckt: Auf den unterbezahlten Leiharbeitsjob gilt es zu reagieren, wie auf den stinkenden Freier: Enthusiastisch die neue Herausforderung begr\u00fc\u00dfen!<br \/>\nUnd in den mehr kommunikativen Bereichen hei\u00dft es, den Kundenforderungen gegen\u00fcber die Hirnh\u00e4lften zu spreizen, wie die Huren ihre Schenkel.<br \/>\nDa k\u00f6nnte man doch zu den bereits reichlich vorhandenen Denkmalen f\u00fcr den unbekannten Soldaten welche f\u00fcr die unbekannte Pionierin der freien Marktwirtschaft errichten.<br \/>\nDie liegende Position h\u00e4tten beide schon mal gemeinsam.<br \/>\nHab mich lieb!<br \/>\nJetzt bist Du da, dann bist Du dort.<br \/>\nJetzt bist Du nah, dann bist Du fort.<br \/>\nKannst Du\u00b4s fassen?&#8212;- Und \u00fcber eine Zeit<br \/>\ngehen wir beide die Ewigkeit<br \/>\ndahin \u2013 dorthin. Und was blieb?&#8230;<br \/>\nKomm, schlie\u00df die Augen,<br \/>\nund hab mich lieb!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christian Morgenstern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In liebevollem Denken an Christina Du warst so unbeschreiblich weiblich Auf jedem Zentimeter deines K\u00f6rpers stand das W\u00f6rtchen Frau Und Du warst so bet\u00f6rend leiblich Ich sp\u00fcre Deine s\u00fc\u00dfe Haut noch sehr genau. 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